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Meine etwas ungewöhnliche Triathlonkarriere....

Wer mich noch aus Schulzeiten kennt wird das kaum glauben können. Der nicht gerade schlanke Antisportler schlechthin macht Sport, und ausgerechnet Triathlon. In der Zeit war ich so ausreichend aktiv, mir reichte der tägliche Schulweg mit dem Fahrrad. Aber im Studium dann nur noch vor dem Schreibtisch gesessen - nein, da wurde schnell klar das geht so nicht weiter ohne jede Bewegung.

Beim Triple in Lensahn

Turnschuhe gekauft und raus ... arghh, 500m und total ausser Atem. Dass es so schlimm ist habe ich nicht gedacht. Ab da lief ich konsequent 3 mal die Woche so weit wie ich konnte. Nach einem Jahr habe ich es schon geschafft die Strecke auf 10km auszudehnen. So ging das erstmal eine Zeit. 1998 bei einem Bierchen mit Trainingskollegen kam dann die Idee auf einen Ironman zu machen. Also gewettet und gut.

Hilfe!!!! Rennrad - hab ich nicht. Schwimmen - kann ich nicht. Laufen - grad mal 10km.

Als erstes ging ich los und besorgte mir ein Rennrad um vernünftig trainieren zu können. Schwieriger war das Schwimmen. Angefangen mit ein paar Bahnen Brust, irgendwann kraulen gelernt ... und alles ohne Trainer, mit Verein und festen Trainingszeiten konnte ich nichts anfangen. Und wenn dann wollte ich das ganz alleine schaffen. Insbesondere nachdem ich in Vereinen gefragt hab und mir alle gesagt haben ich soll den Blödsinn lassen.

Nein, dafür bin ich ein viel zu grosser Dickschädel. Wenn ich mir was in den Kopf gesetzt hab wird das auch durchgezogen auch wenn es schwer wird. Aufgeben - was ist das?

1 Jahr später - ich war der einzige von meinen Kollegen - Moritzburg Langdistanz. Noch nie einen Wettkampf gemacht, weder einen Lauf noch einen Triathlon. Und ich stand am Start einer Langdistanz mit 3,8km Schwimmen, 180km Radfahren und dem Marathon über 42,195km. Fragt nicht wie, aber ich habs geschafft und mich hat das Triathlon-Fieber erstmal richtig gepackt.

Also wurde  das Training optimiert und ausgeweitet und im folgenden Jahr die nächste Langdistanz absolviert. Und? Nochmal die gleiche Distanz bewältigen ist keine Herausforderung mehr, denn auch im Training lief ich immer wieder über 30km oder fuhr 200km auf dem Rad.

Gesucht gefunden: Triple-Lensahn! Gleich 3mal so lang. Nach einem langen Telefongespräch mit Wolfgang Kulow, dem Organisator und selber Extremsportler, habe ich mich gleich angemeldet. Auch wenn ich mal wieder nicht im geringsten wusste worauf ich mich da einlasse. Es fing schon damit an, dass ich ein eigenes Betreuerteam mitbringen musste. Zum Glück haben sich meine Eltern bereiterklärt mich mit dem Wohnmobil zu begleiten. Aber Probleme mit Schlafentzug, psychischer Belastung, der immensen Nahrungsaufnahme und so weiter kannte ich zuvor auch nicht.

Überglücklich im Ziel - mein erster Triple

Aber nicht nur das: Ausgerechnet da musste mein Vater Probleme mit Nierensteinen bekommen und ins Krankenhaus. Klasse, und nun? Ohne lange zu zögern sprang Familie Müller aus Lensahn ein und übernahm meine weitere Betreuung. Vielen Dank an dieser Stelle für deren Hilfe bei meinen 4 Teilnahmen in Lensahn.

Wie auch immer, nach 53:30:19 Stunden hab ich das geschafft! Hundemüde, total erschöpft aber überglücklich. Damit war klar: Das war nicht das letzte Mal! Selbst meine Eltern waren begeistert und haben mich bei allen weiteren Wettkämpfen begleitet.

Das Training wurde weiter ausgebaut, teilweise über 30 Stunden in der Woche, ganze Marathons und sogar Ironman-Distanzen mal eben als lange Einheiten absolviert und das ganze Leben stark auf Triathon ausgerichtet. Ok, zugegeben, gerade in den Sommermonaten hat das Studium darunter gelitten. Aber die Fortschritte waren deutlich: Bis 2003 hab ich meine Triple-Zeit um über 10 Stunden auf 42:50:04 Stunden verbessert! Damit hab ich bei der Weltmeisterschaft die in dem Jahr in Lensahn ausgetragen wurde immerhin den 15.Platz erreicht.

Ein paar Wochen später gings dann zum 24h-Radrennen am Nürburgring. Heftig, einfach nur heftig. Noch nicht vollkommen erholt vom Triple und dann Steigungen bis 17% bei der Hohen Acht und 85km/h die Fuchsröhre hinab. Nach "nur" 16 Runden war ich dann so fertig mit der Welt dass ich kaum alleine vom Rad kam und aufgehört hab. Aber ging wohl nicht nur mir so, am Ende hat es trotzdem zu einem 4. Platz gereicht. Was wär da wohl gut erholt drin gewesen ...

In "meiner" Box am Nürburgring

 Miriam Deutz Miriam Deutz Miriam Deutz

In Folge führten Stress im Studium, Verletzungspech und ein paar private Probleme führten in Summe dazu dass ich dann beschlossen haben in sportlicher Sicht kürzerzutreten. Zumal ich mit zudem leider eingestehen musste dass ich zu langsam laufe um den Anschluss an die Spitze zu erreichen. Ab da habe ich meine ganze Kraft ins Studium gesteckt und den Sport nur noch just for fun nebenher betrieben.

Im Jahr drauf hab ich es trotz wenig Training immerhin noch zu 2 Double-Ultras innerhalb von 2 Wochen gebracht! Ottobrunn und Neulengbach. Bis zum nächsten Triple in Lensahn war ich noch so k.o. dass fast kein Training dazwischen war. Und gut 1 Woche vorher hab ich mir noch eine Verletzung zugezogen. Wie war das? Nicht aufgeben? Oder zu verrückt? Nun denn, trotz Verletzung bin ich gestartet, musste aber nach "nur" 320km auf dem Rad einsehen dass es einfach nicht mehr geht. Miriam Deutz

Neulengbach, Schwimmstart

Aber ganz kann ich es doch nicht lassen. Wenn schon selber nicht mehr aktiv habe ich mich nach meiner aktiven Zeit dem DLC-Aachen angeschlossen und engagiere mich dort im Nachwuchsbereich indem ich bei der Organisation des Kindertriathlons mitwirke. Vorher war ich nie in einem Sportverein, feste Trainingszeiten und Trainer die einem was vorschreiben wollen - ein Graus. Ok, nachher hab ich festgestellt dass das mehr Vorurteile waren und die Leute im DLC alle ganz nett sind.

Langfristig möchte ich aber, sofern das berufliche und private Umfeld das zulassen, sehr gerne nochmal bei Ultra-Triathlons an den Start gehen. Wer einmal der Faszination dieser Ultra-Wettkämpfe erlegen ist kommt da nie wieder von los. Miriam Deutz

Und ich konnts doch nicht lassen: Am 5.11.2006 hab ich nach 2 Jahren ohne Wettkampf den Marathon am Rursee gelaufen. Mal ganz ohne Zeitdruck einfach nur just for fun. Wusste gar nicht dass das geht, bisher bin ich in allen Wettkämpfen mit gesundem Ehrgeiz gestartet. Wird sicher nicht der letzte gewesen sein. Aber derart leistungsorientiert wie in meinen besten Jahren werde ich sicher nicht mehr trainieren.

Und daher hab ich mich für den Rennsteiglauf am 19.05.2007 angemeldet. Ebenfalls mehr just for fun. Dafür trainiere ich auch wieder regelmässig, aber bei weitem nicht mehr mit den Umfängen wie zu meinen besten Zeiten. 8-10h pro Woche reichen dazu vollkommen, die meiste Zeit investiere ich derzeit lieber in ein baldiges Studienende. Das hat schon lange genug gedauert.

Update: Schon etwas her der letzte Stand auf meiner Homepage. Den Rennsteiglauf konnte ich leider nicht laufen. War so fleissig im Lauftraining dass ich mir einen Ermüdungsbruch im Mittelfussknochen IV des rechten Fusses zugezogen habe und musste damit 3 Monate komplett pausieren. End vom Jahr hab ich dann die Erstauflage der Langdistanz in Köln mit recht wenig Training in Angriff genommen und war überrascht und begeistert trotzdem mit 10:43 eine neue Bestzeit aufstellen zu können.

Das mit dem wenig Training zog sich auch durch 2008. Studienarbeiten mussten ferig werden, die Diplomarbeit hab ich in Angriff genommen, nebenher noch gearbeitet und so musste ich mit maximal 8, einzelne Wochen mal 10-12, Stunden Training pro Woche auskommen. Die Trainingsgestaltung hierbei habe ich komplett umgedreht. Grundlage hab ich genug, also war das Ziel viel an der fehlenden Grundschnelligkeit zu Arbeiten. Insbesondere läuferisch hatte ich hier noch arge Defizite. Zweimal die Woche Tempotraining auf der Bahn und ein zügiger Lauf mussten reichen.

Leider kam im Sommer dank Arbeit und mäßigem Wetter etwas kürzer als erhofft. Wie dem auch sei, ich war gut in Form und machte mir Hoffnungen die 10h-Marke knacken zu können.

Tja, war leider nichts. Schwimmen lief noch super mit 1:01, beim Radfahren brachte ich nichts zusammen. Reisverschluss vom Einteiler kaputt, Panne, Krämpfe, mit dem heftigen Wind nicht zu Recht gekommen ... und so 25min langsamer gewesen als im Vorjahr und nur knapp unter 5:50h geblieben. Aua. Dafür zahlte sich das harte Laufprogramm voll aus. Trotz dicker Beine vom Radfahren riss ich den Mara in 3:39 runter - einfach "geil". 25min auf dem Rad verloren und trotzdem mit neuer Bestzeit von 10:34 ins Ziel - Wahnsinn. Die 10h wären drin gewesen wenn das Radfahren problemlos geklappt hätte.

Na mal gucken. Jetzt steht Regeneration und Diplomarbeit an. Wenn es gut läuft im Herbst noch ein Mara und das war´s erstmal aus sportlicher Sicht. Priorität im nächsten Jahr hat der neue Job. Wieviel Zeit mir da bleibt muss sich noch zeigen. Hoffe auf Dauer zumindest am Wochenende wieder vernünftig trainieren zu können.

Die letzten 2 Jahre mit Diplomarbeit und neuem Job beim TÜV-Süd in Oberhausen als Prüfer und Sachverständiger für KFZ und Fahrräder (dreimal dürft ihr Raten wie ich zu dem Job kam) habe ich entsprechend wenig trainiert. In diesem Jahr lief das ganze schon deutlich zielgerichteter und umfangreicher. Wie das so ist lassen mich die Ultradistanzen nicht los, für den 10. September 2011 habe ich mich wieder für einen Double-Ironman in der Schweiz angemeldet:

www.ultratriathlon.ch

Bis zum nächsten Update und viel Spaß beim Training.